17.09.2026 - 18:40

Neue synthetische Droge sorgt in San Francisco für Besorgnis

Drug syringe and cooked heroin on spoon

Drug syringe and cooked heroin on spoon

San Francisco/ID – Der Tod eines 16-Jährigen hat in San Francisco neue Aufmerksamkeit auf das synthetische Opioid Cyclorphin gelenkt. Die Substanz gilt als deutlich stärker als Fentanyl und ist mit herkömmlichen Fentanyl-Schnelltests nicht zuverlässig nachweisbar.

Der Jugendliche, Dante Paul Lacourte, starb am 7. April in der Wohnung seiner Mutter im Stadtteil Lower Nob Hill. Seine Mutter hatte zunächst vermutet, dass Fentanyl für den Tod verantwortlich gewesen sein könnte. Ein toxikologischer Befund ergab jedoch keinen Nachweis von Fentanyl und wies stattdessen Cyclorphin aus. Nach Recherchen der „New York Times“ handelt es sich dabei um den ersten entsprechenden Eintrag in einem Bericht des zuständigen Gerichtsmediziners von San Francisco.

Deutlich stärker als Fentanyl

Cyclorphin gehört zu einer Gruppe synthetischer Opioide, die ursprünglich im Rahmen der Forschung an besonders starken Schmerzmitteln entwickelt wurden. Die Substanz wurde bereits in den 1960er-Jahren in einem belgischen Forschungslabor untersucht. Die entsprechenden chemischen Verfahren sind inzwischen öffentlich zugänglich, wodurch die Herstellung auch außerhalb professioneller pharmazeutischer Einrichtungen möglich ist.

Experten zufolge kann Cyclorphin etwa zehnmal stärker als Fentanyl sein. Ein zusätzliches Problem besteht darin, dass gängige Schnelltests auf Fentanyl die Substanz nicht zuverlässig erkennen. Auch bei einer Überdosierung können nach Angaben von Fachleuten mehrere Gaben des Gegenmittels Naloxon erforderlich sein.

Ermittlungen nach Tod des Jugendlichen

Nach dem Tod des 16-Jährigen ermittelten die Behörden über dessen Mobiltelefon gegen Personen, bei denen der Jugendliche zuvor Drogen gekauft haben soll. Die Polizei nahm mehrere Verdächtige fest und stellte bei Durchsuchungen insgesamt rund 20.000 Tabletten sicher. Darunter befanden sich mutmaßlich gefälschte Xanax- und Oxycodon-Tabletten sowie weitere Drogen. Außerdem wurden Schusswaffen und Bargeld beschlagnahmt.

Die US-Arzneimittelbehörde FDA sollte die sichergestellten Tabletten untersuchen. Nach Angaben der Ermittler sollte dabei unter anderem geklärt werden, ob sie Cyclorphin enthielten. Untersuchungen früher sichergestellter Tabletten deuteten laut „New York Times“ zudem darauf hin, dass die Substanz möglicherweise bereits zuvor in San Francisco im Umlauf war.

Behörden warnen vor neuartigen Opioiden

Der Fall verdeutlicht nach Einschätzung von Fachleuten ein grundsätzliches Problem des illegalen Drogenmarktes: Neue synthetische Substanzen können vergleichsweise schnell hergestellt und in gefälschten Medikamenten angeboten werden. Dadurch können Konsumenten den tatsächlichen Wirkstoff und dessen Konzentration häufig nicht erkennen.

In San Francisco sind seit 2020 nach Angaben der „New York Times“ mehr als 4.000 Menschen infolge von Drogenüberdosierungen gestorben. Die meisten Todesfälle standen mit Fentanyl in Zusammenhang. Die Behörden versuchen deshalb, neue Substanzen früher zu erkennen und deren Verbreitung einzudämmen.