19.09.2026 - 00:13
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Warschau/ID. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk rechnet in den kommenden Wochen und Monaten mit einer weiteren Intensivierung der russischen Angriffe auf die Ukraine. Besonders der Spätherbst und der Winter könnten nach seiner Einschätzung eine kritische Phase des Krieges werden. Das sagte Tusk am Donnerstag im polnischen Parlament.  

Nach Angaben Tusks gehen Geheimdienste zudem davon aus, dass Russland auch hybride Angriffe gegen Staaten planen könnte, die die Ukraine unterstützen. Dazu zählt der Regierungschef ausdrücklich Polen. Als mögliches Szenario nannte er Angriffe mit Drohnen und Raketen, die anschließend als vermeintliche Unfälle dargestellt werden könnten. Tusk zufolge könnte damit versucht werden, die Reaktionsbereitschaft und den Zusammenhalt der NATO zu schwächen.  

Warnung vor Angriffen auf ukrainische Infrastruktur

Tusk erwartet eine anhaltend hohe Intensität der russischen Angriffe auf ukrainische Städte und Infrastruktur. Besonders Energieversorgung, Logistik, Lager und Eisenbahnverbindungen könnten nach seiner Einschätzung im Mittelpunkt stehen.  

Die Warnungen fallen in eine Phase verstärkter russischer Luftangriffe. Am Donnerstag wurden erneut mehrere ukrainische Städte mit Drohnen und Raketen angegriffen. Nach ukrainischen Angaben wurden dabei mehr als 20 Menschen verletzt. In der westlichen Ukraine kam es zudem zu Angriffen in der Nähe der polnischen Grenze. Polen ließ daraufhin Kampfflugzeuge aufsteigen und versetzte Teile seiner Luftverteidigung in erhöhte Bereitschaft.  

Polen beobachtet Lage an der Grenze

Tusk erklärte, die jüngsten Entwicklungen zeigten, dass sich die russische Eskalation zunehmend der polnischen Grenze nähere. Polen müsse deshalb auf verschiedene Szenarien vorbereitet sein. Die polnische Regierung will unter anderem die militärische Infrastruktur an Grenzübergängen zur Ukraine verstärken.  

Nach Darstellung Tusks besteht ein Risiko, dass Drohnen oder andere Geschosse künftig auch NATO-Gebiet erreichen könnten. Er betonte zugleich die Bedeutung der Bündnissolidarität und des NATO-Vertrags, insbesondere von Artikel 5 über die kollektive Verteidigung.  

Tusk reist nach Kiew

Für Freitag kündigte Tusk eine Reise in die Ukraine an. Dort will er mit Präsident Wolodymyr Selenskyj unter anderem über die ukrainische Energieversorgung und die Zusammenarbeit bei der Luft- und Raketenabwehr sprechen. Auch der slowakische Ministerpräsident Robert Fico wird zu Gesprächen in der Ukraine erwartet.  

Die von Tusk geschilderten möglichen russischen Angriffsszenarien beruhen nach seinen Angaben auf Einschätzungen von Geheimdiensten. Ob und in welcher Form Russland entsprechende Angriffe tatsächlich plant, ist damit nicht unabhängig bestätigt.