WHO warnt vor wachsendem Personalmangel im Gesundheitswesen
Genf/ID. Das Gesundheitspersonal weltweit wird älter, während vielerorts nicht genügend Nachwuchskräfte nachrücken. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt deshalb vor einer zunehmenden Lücke bei Ärztinnen, Ärzten und weiteren Gesundheitsberufen in den kommenden Jahren.
Jeder vierte Arzt älter als 55
Nach dem neuen WHO-Bericht ist inzwischen durchschnittlich fast jeder vierte Arzt älter als 55 Jahre. Grundlage sind Daten aus 122 Ländern. In Ländern mit hohem Einkommen liegt der Anteil sogar bei knapp einem Drittel. Viele dieser Beschäftigten könnten damit innerhalb der kommenden zehn Jahre aus dem Berufsleben ausscheiden.
Gleichzeitig ist die Zahl der Beschäftigten im Gesundheits- und Pflegebereich weltweit in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich gestiegen. Die WHO zählt inzwischen mehr als 70 Millionen Gesundheits- und Pflegekräfte. Die Verteilung bleibt allerdings sehr unterschiedlich: Zwischen den Weltregionen bestehen erhebliche Unterschiede bei der Zahl der verfügbaren Fachkräfte.
WHO erwartet Millionen fehlende Fachkräfte
Für das Jahr 2030 prognostiziert die WHO weltweit einen möglichen Mangel von 11,1 Millionen Gesundheits- und Pflegekräften. In 67 Ländern könnte die Zahl der Beschäftigten demnach nicht ausreichen, um den heutigen Versorgungsstandard beziehungsweise den Bedarf der Bevölkerung aufrechtzuerhalten.
Allein um die derzeitige Personaldichte im Verhältnis zur Bevölkerung zu halten, wären nach WHO-Berechnungen zusätzlich rund 832.000 Gesundheitskräfte erforderlich. Besonders einkommensstarke Länder könnten durch den hohen Anteil älterer Beschäftigter unter dem bevorstehenden Generationenwechsel stehen.
Doppelter Druck durch alternde Bevölkerung
Neben dem Alter des Personals verändert sich auch die Altersstruktur der Bevölkerung. Mit zunehmendem Alter steigt in vielen Ländern der Bedarf an medizinischer und pflegerischer Versorgung.
Die WHO sieht deshalb einen doppelten Druck auf die Gesundheitssysteme: Gleichzeitig müssen ausscheidende Beschäftigte ersetzt und zusätzliche Kapazitäten für eine alternde Bevölkerung geschaffen werden. Die Organisation fordert unter anderem eine langfristige Personalplanung, mehr Ausbildungskapazitäten sowie Maßnahmen zur Gewinnung und Bindung von Fachkräften.